DIE GEHEIMNISVOLLEN WELTEN DES ERIC OTTO

Oder was macht ein Stutz Blackhawk vor dem Vatikan?

Träumen Sie ab und zu? Oder vergehen ihre Nächte traumlos? Und wenn Sie träumen, wovon träumen Sie? Der französische Fotograf Eric Otto träumt am liebsten von den düsteren und zwielichtigen 50er bis 70er Jahren: Während sich die Verbrecher im Nobelrestaurant fürstlich bedienen lassen, müssen sich die Observanten auf der Straße mit fettiger Pizza und Kaffee aus dem Pappbecher begnügen. Währenddessen parken die Luxuskarossen der Gangster, Gauner und Ganoven an mystischen Orten mit imposanten Bauwerken – die manchmal erst auf den zweiten Blick erkannt werden, wie hier die Elbphilharmonie.

Spiel mit Licht und Schatten

An dieser Stelle darf man schon ins Grübeln kommen. Denn diese 50er-Jahre-Szene passt eigentlich nicht zu der erst 2017 eröffneten Elbphilharmonie in Hamburg. Tatsächlich ist das Motiv in der Traumwelt von Eric Otto entstanden. Er erweckt sein historisches Gangsterthema zum Leben, indem er Autos vor prägnanter architektonischer Kulisse in der richtigen Lichtstimmung einfängt. Das Außergewöhnliche des Arrangements: Bei dem fotografierten Cadillac handelt es sich um ein Miniaturmodell im Maßstab 1:43.

Lange Schatten, ruhiges Licht oder Nachtaufnahmen sind wichtige Zutaten, mit denen Eric Otto kleine Welten groß und real erscheinen lässt. Scheinbar mühelos transportiert er den Betrachter direkt hinein in die dunkle und mysteriöse Atmosphäre jener schon fast vergessenen Zeit. Seine perfekten Inszenierungen wirken auch dank der detailreich fotografierten Modellautos erstaunlich lebendig. 

„Gangster fahren nun mal schöne Autos“

 

– Eric Otto über seine Faszination für die Verbrecherstorys

Wechselnde Orte und Perspektiven

Eine Voraussetzung für die dichte Atmosphäre seiner Fotografien ist die Recherche geeigneter Locations. Bevor die eigentlichen Aufnahmen entstehen, begibt sich Eric Otto auf Reisen. Mittlerweile war er über ein Jahrzehnt in der Welt unterwegs, immer auf der Suche nach „dem Spot“, und nie ohne seinen Koffer voll kleiner Autos. In Städten wie Lissabon, London, Berlin, New York, Paris oder seiner neuen Heimatstadt Hamburg wurde er fündig.

Oft zieht er tagelang durch eine fremde Stadt, immer auf der Suche nach dem Moment, in dem sich eine Szene vor seinem geistigen Auge entwickelt. Das geschieht mit einer ausgeprägten Vorstellungskraft, wie die Fotografien zeigen. Denn für die gewünschte nostalgische oder bedrohliche Stimmung muss auch der Standort stimmen. Um auf dem Boden liegend ein kaum zehn Zentimeter großes Auto in der richtigen Perspektive abzulichten, ist neben Phantasie technische Expertise gefragt, Millimeterarbeit, um die Situation exakt so einzufangen, wie Otto sie sich vorgestellt hat.

Hilfreich bei der Motiventwicklung erweist sich Ottos ausgeprägtes visuelles Gedächtnis. So hat er stets passende Filmszenen präsent, wie zum Beispiel aus dem Noir-Klassiker „Vier im roten Kreis“ von Regisseur Jean-Pierre Melville, der die Geschichte eines Einbruchs in Echtzeit und ohne Dialog erzählt. Ein anderer Lieblingsfilm Ottos bleibt das Gangster-Epos „Es war einmal in Amerika“ mit Robert de Niro.

Am Puls der Zeit

Woher kommt eigentlich die wachsende Begeisterung für diese Art von Fotografie? Den größten Teil seiner Arbeit widmet Eric Otto exquisit designten Oldtimern der Jahre 1955 bis 1975. Für ihn sind es einzigartige Kunstwerke, deren spannende Vergangenheit er auf eine ganz persönliche Art und Weise fotografisch wiederbelebt.

Damit trifft er den Nerv der Zeit: Statistiken zeigen, dass der Anteil klassischer Automobile auf deutschen Straßen rasant zunimmt, allein von 2017 bis 2018 um 11 Prozent. Zu Erics Glück gibt es eine sehr große Oldtimer-Auswahl in Form von Miniaturmodellen, die meisten im Maßstab 1:18 und 1:43. Letztere nutzt er hauptsächlich für seine Fotografien, was natürlich starke finanzielle Vorteile besitzt. Denn die Preise für seine Modellfahrzeuge sind nicht ansatzweise vergleichbar mit denen ihrer originalen Vorbilder. Einer der Gründe, weshalb sich Otto einen schwarzen Lincoln Continental, wie ihn James Bond in „Goldfinger“ fuhr, ebenso problemlos leisten kann wie den rassigen AMC Matador Coupé aus „Der Mann mit dem goldenen Colt“.

„Mein Vater schenkte mir in meiner Kindheit regelmäßig Modellautos“

 

– Eric Otto über sein Interesse an automobilem Design und Faible für Oldtime

Ausflug in die jüngere Vergangenheit

Momentan vollzieht sich ein Wandel in Eric Ottos Arbeiten. Gerade interessiert er sich für die Sportwagen-Ästhetik der 70er Jahre und das dazu passende Licht. Triumph und Tragödie lagen nie wieder so dicht beieinander. Kein Wunder, dass diese „goldenen Jahre“ noch heute den Background liefern, wenn die Klassiker-Szene in Nostalgie schwelgt. Den 911er mit Martini-Stickern sieht man auf jedem Treffen – die mythische Verklärung einer ganzen Ära hat es Otto aktuell besonders angetan. Das bereits erwähnte Licht spielt dabei eine wichtige Rolle. Der Fotograf hat es bereits fest in der Imagination seiner nächsten Fotoserie verankert, von der er hofft, sie auf Kuba oder in Miami realisieren zu können. Die passenden Sportwagen für den Ausflug in die Karibik sind schon da, erste Probeaufnahmen überzeugen Freunde und Fans.

Surrealismus trifft auf Realismus

Handwerklich souverän kombiniert Eric Otto in seiner Kunst ganz unterschiedliche Themen, für die er eine besondere Leidenschaft hegt: Architektur, Automobil-Design und Licht. Die Architektur rückt dabei nur scheinbar in den Hintergrund. Auch wenn dies seine Fotografien nicht sofort vermuten lassen, legt Otto Wert darauf, dass alle Elemente im Bild eine äquivalente Bedeutung besitzen.

Virtuos hantiert Eric Otto mit der Gegenüberstellung stilistischer Kontraste – surreale und realistische Bildelemente verbinden sich bei ihm zu einer neuen Dimension von Wirklichkeit. Als Beispiel für diese Methode verweist Otto auf den Film „Metropolis“ von 1927 – Regisseur Fritz Lang erweckte darin eine monumentale, futuristische Stadt in einer für die Stummfilm-Ära innovativen Weise zum Leben. Heute setzt der Bilder-Regisseur Eric Otto Ikonen des Automobilbaus vor großartiger Architektur in Szene, um sie noch einmal in der Gegenwart hochleben zu lassen.

www.eric-otto.com

  

MANUFACTURING STYLE | 20.01.2020

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MANUFACTURING STYLE 20.01.2020